Bürgermeisterkandidaten liefern sich beim RHEINPFALZ-Forum in Neuhofen sachliche Diskussion – Große Resonanz

NEUHOFEN. Das Freizeitangebot fürJugendliche im Ort und das Vorgehengegen rechtsextreme Tendenzen– vor allem an diesen beiden Themen entzündete sich beim RHEINPFALZ-Forum im Vorfeld der Bürgermeisterwahl in Neuhofen am Montagabend im proppenvollen Bürgerhaus „Neuer Hof“ einelebhafte Debatte zwischen den drei Kandidaten.
Foto: Lenz (Rheinpfalz)Foto: Lenz (Rheinpfalz)
Amtsinhaber Gerhard Frey (FDP) verwies in erster Linie auf die umfangreiche Jugendarbeit der Neuhofener Vereine und die bestehenden Angebote der Gemeinde wie das Jugendzentrum und die geplante Skateranlage. Dagegen sprachen sich SPDMann Heinz Müller und der unabhängige Kandidat Frank Markgraf dafür aus, stärker auf die Jugendlichen zuzugehen, um Schmierereien, Vandalismus und rechte Tendenzen in den Griff zu bekommen. „In Neuhofen fehlt jemand, der die Arbeit auf der Straße macht. Die Vereine können keinen Treffpunkt für Jugendliche für die Zeit von 18 bis 22 Uhr bieten. Und dieses Angebot fehlt“, betonte Markgraf. Frey räumte ein, dass nicht alle Jugendlichen im Ort in Vereinen engagiert seien und die Gemeinde deshalb „ergänzende Angebote“ machen müsse. Als der Amtsinhaber jedoch als Antwort auf die Ausführungen Frank Markgrafs zu bedenken gab, dass sich das Jugendzentrum zu einer „Alkohol- und Drogenhöhle“ verwandeln könnte, wenn dort Alkohol ausgeschenkt werde, kam besonders unter den zahlreichen jungen Leuten unter den 300 Besuchern Unruhe und Gelächter auf. SPD-Kandidat Müller, von Beruf Polizist, verwies auf die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes: „Wenn wir uns mit den Jugendlichen beschäftigen, dann ist auch ein Missbrauch von Alkohol ausgeschlossen.“ Müller kündigte für den Fall seiner Wahl an, eine gemeinsame Sommerfreizeit von Gemeinde, Vereinen und anderen Organisationen auf die Beine zu stellen. „Rechtsextreme Tendenzen – totschweigen oder offen ansprechen“, fragte RHEINPFALZ-Redakteur Jörg Schmihing provokant in die Runde. Einig waren sich die Kandidaten darin, offensiv mit dem Problem umzugehen, das allerdings – so die einhellige Meinung – nicht auf Neuhofen beschränkt sei. „Das ist eine Daueraufgabe und wird nicht von heute auf morgen zu lösen sein“, sagte Frey. Der kriminalpräventive Rat habe verschiedene Projekte in Angriff genommen. „Wir sind auf einem sehr guten Weg, die Themen umfassend anzugehen.“ Frank Markgraf forderte die Einstellung eines Streetworkers, um die Jugendlichen aus dem rechten Umfeld herauszulösen: „Das geht nicht vom grünen Tisch aus.“ Heinz Müller plädierte ebenfalls dafür, die jungen Leute direkt anzusprechen. Das sei auch die Aufgabe des Bürgermeisters, unterstrich der SPD-Mann. Beim Thema Polderprozess waren die drei Bewerber uneinig: Markgraf und Müller erklärten zwar, auch sie seien grundsätzlich gegen das Projekt. Doch für den Fall einer Niederlage Altrips vor dem Oberverwaltungsgericht Koblenz gelte es genau zu prüfen, ob die Gemeinde Neuhofen angesichts der zu erwartenden Kosten ihre Klage aufrecht erhält. Dagegen sprach sich Frey klar für eine Fortsetzung des Rechtsstreits auch für den Fall einer Niederlage der Nachbargemeinde aus. Die Prozesskosten würden für Neuhofen deutlich unter den 378.000 Euro liegen, die der Rechtsstreit laut Markgraf bislang Altrip gekostet hat. Die Fragen der Bürger an die Kandidaten zielten unter anderem auf deren Vorstellungen zum Thema Ortskernentwicklung. Für die älteren Bürger in der Gemeinde sei es wichtig, dass diese möglichst barrierefrei in der Dorfmitte einkaufen können, unterstrich Müller. Markgraf, der selbst einen Gemüseladen im Zentrum des Dorfs besitzt, kritisierte, dass sich die Verwaltung nicht aktiv um die Ansiedlung von Einzelhändlern und Gewerbetreibenden bemühe. Frey erwiderte, die Gemeinde könne nur die Rahmenbedingungen setzen. Dies habe man beispielsweise durch die Bereitstellung von Gewerbeflächen und die Schaffung neuer Parkplätze getan. (spk)