Ein Tunnel unter dem Rhein bei Altrip ist laut einer neuen Machbarkeitsstudie die beste Lösung für eine Rheinquerung südlich von Ludwigshafen. Mensch und Umwelt würden so am wenigsten belastet. Geschätzte Kosten: etwa 570 Millionen Euro. Die betroffenen Gemeinden sind mit dieser Lösung zwar auch nicht glücklich, bleiben aber vorerst noch gelassen.

Die Pläne für eine zusätzliche Rhein-Querung bei Altrip werden schon seit Jahrzehnten geschmiedet. Ursprünglich war eine Trasse vom Rheingönheimer Kreuz ( Bundesstraße 9) aus vorgesehen, die nördlich von Altrip auf eine Brücke führt. Die neue Machbarkeitsstudie, die vom Verband Region Rhein-Neckar in Auftrag gegeben wurde, zeigt jetzt andere Lösungen auf. Variante 1a sieht einen Tunnel zwischen Rehbach und Altrip (etwa drei Kilometer) vor. Der Rhein würde weiterhin per Brücke überquert. Für Variante 1b würde der Tunnel zwischen Rehbach und Altrip verlängert und unter dem Fluss durchführen - Tunnelstrecke: etwa 5,8 Kilometer. Eine Anschlussstelle für Altrip gäbe es hierbei allerdings nicht. Variante 2 würde auch zunächst die Linie der B 9 aufnehmen, aber nach etwa einem Kilometer nordöstlich von Neuhofen zwischen Waldpark und und Waldmühle nach Süden abbiegen. Nach dem Kistnerweiher ginge es in einem Linksknick am Naturschutzgebiet Neuhofener Altrhein vorbei und durch den Staatswald nach Osten. Auch hier ginge es per Brücke über den Rhein. Das Problem bei der alten Trassenführung, den Varianten 1a und 2: Sie bringen erhebliche Umweltrisiken mit sich, da Naturschutzgebiete beim Bau betroffen wären. Alternative 1b würde laut Studie das geringste Risiko für die Umwelt darstellen. Die Kosten belaufen sich laut einer ersten groben Schätzung auf etwa 570 Millionen Euro für Lösung 1b. Noch nicht untersucht ist die Auswirkung des Baus auf das Grundwasser. Dies ist aber gerade der Hauptkritikpunkt von Neuhofens Bürgermeister Gerhard Frey (FDP): „Bei der Tunnellösung hat man den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht. Zunächst sollte man die Grundwassersituation abklären. Wir haben in Neuhofen sowieso schon erhebliche Grund- und Druckwasserprobleme. So ein Sperrbauwerk ist genau zu untersuchen. Es wäre nicht seriös, jetzt schon in die Planung einzusteigen. In Altrip sieht Bürgermeister Jürgen Jacob dem Ganzen derweil noch gelassen entgegen. „Zwischen Vorstellung, Planung und Umsetzung ist noch ein weiter Weg", sagt er. Seine Begeisterung für die Tunnellösung hält sich jedoch in Grenzen. „Schon beim Anschluss mit einer Brücke hat man uns aufgezeigt, dass Altrip keinen Anschluss bekommen wird. Jetzt droht uns das gleiche wie bei einem Brückenbau: Wir haben den Baulärm, aber keinen Vorteil." Außerdem stellt sich für Jacob noch die Frage der Finanzierung. Zusätzlicher Nachteil für den Bürgermeister: Die Rheinfähre bei Altrip hätte dann wohl ausgedient. „Die können wir dichtmachen. Wir befördern etwa 700.000 Passagiere im Jahr, etwa 400.000 davon motorisiert. Die können den Tunnel nutzen. Aber was ist mit den Radfahrern, die im Großkraftwerk Mannheim arbeiten? Ein zweischneidiges Schwert ist die Tunnellösung für Rheingönheims Ortsvorsteherin Ursula Jung (CDU): „Der Verkehr würde dann wohl über Rheingönheim geleitet. Andererseits würde die Innenstadt entlastet werden", vermutet Jung, die auch im Stadtrat sitzt. „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Und das Herz der Ortsvorsteherin schlägt lauter." Allerdings sehe sie natürlich auch die Notwendigkeit für eine weitere Anbindung an Mannheim. Schon allein, wenn die Firma Vögele in Rheingönheim ihre Pforten öffnet und die Arbeitnehmer über den Rhein kommen.